Glossar-B
Bardo
Tibetisch.
bedeutet wörtlich "Zwischenraum". Die Erfahrungswelt der Lebewesen setzt sich aus einer Abfolge von relativen Existenzen zusammen, die verschiedenen Bewusstseinszuständen entsprechen. Man unterscheidet im allgemeinen sechs Bardos oder Zwischenzustände. Drei von ihnen sind mit der Lebenszeit verbunden: das Bardo der Existenz, des Traumes und der Meditation, und drei mit der Zeit zwischen Tod und Wiedergeburt: Bardo des Todes, Bardo der letzendlichen Natur der Phänomene (Dharmata), und das Bardo des Werdens. Wenn der Begiff "Bardo" nicht näher umrissen ist, bezieht er sich automatisch auf die Situation zwischen Tod und Wiedergeburt.
Bodhicitta
Sanskrit
"Erleuchtungsgeist" oder "erleuchtete Geisteshaltung". Da ist zunächst das Bodhicitta der Absicht. Es ist der Wunsch, dass alle Wesen ohne Ausnahme vom Leid befreit und im letzendlichen Glück verankert sein mögen. Darüber hinaus umfasst es die Umsetzung dieses Wunsches, das Bodhicitta der Anwendung. Das entspricht dem Engagement, die Bodhisattvaaktivität auszuüben. Dies besteht aus einem Training in der Meditation und im Verhalten, basierend auf relativem und letztendlichem Bodhicitta, die dem Entwickeln von Mitgefühl und von Weisheit entsprechen. Aus der erleuchteten Geisteshaltung, die man schon zu Beginn des Weges einnimmt, gehen später die erleuchteten Qualitäten der Buddhas und Bodhisattvas hervor.
Bodhisattva
Sanskrit
"Erleuchtungswesen". Dieser Begriff bezeichnet in seiner allgemeinsten Auslegung einen Mahayanapraktizierenden, und genauer jemanden, der das Bodhisattvaversprechen abgelegt hat. Er bezeichnet auch Menschen, die zwar die erste Stufe der Erleuchtung, aber noch nicht die Verwirklichung eines Buddha erreicht haben. Ein Bodhisattva hat die Absicht, den Buddhazustand zu erreichen, um alle Wesen vom Leid des Daseinskreislaufes zu befreien. Er setzt diese Absicht um, indem er sich in allumfassender Liebe und Mitgefühl übt. Die selbstlose Haltung eines Bodhisattva ermöglicht das Durchschneiden von Ichanhaften und stellt die Energie dar, die zur Erleuchtung führt. Der Weg des Bodhisattva zur Buddhaschaft besteht im Ausüben der sechs transzendenten Tugenden zum Nutzen der Wesen.
Bodhisattva-versprechen
 
Formelle Zeremonie, in der ein Praktizierender verspricht, nie den Erleuchtungsgedanken aufzugeben und nie ein Lebewesen von seinem Mitgefühl auszuschließen.
Buddha (ein)
Sanskrit
(Tib. sangye) Jemand, der die höchste Erleuchtung verwirklicht hat. Sein Geist ist von allen Verdunklungen und Schleiern befreit (sang) und er hat alle Qualitäten völlig entwickelt (gye). Der historische Buddha Shakyamuni ist ein Beispiel dafür. Mit "Buddha" kann jedoch, wie hier, auch die Qualität des erleuchteten Geistes gemeint sein, ohne dass es sich auf einen bestimmten Menschen oder ein konkretes Wesen bezieht.
Buddha (der)
Sanskrit
Buddha Shakyamuni lebte im sechsten Jahrhundert vor Christus in Nordindien, wo er Erleuchtung erreichte und die Lehre über den Weg zur Befreiung über 40 Jahre lang weitergab. Seine Verwirklichung wurde in ununterbrochener Linie von Meister zu Schüler bis heute lebendig erhalten. Bevor er Buddha Shakyamuni wurde, arbeitete er für unzählige Weltzeitalter zum Nutzen aller Wesen. Er nahm 500 Wiedergeburten in den unreinen Bereichen an, um dort den leidenden Wesen zu helfen, und 500 Geburten in den reinen Welten, um ihre Bewohner zur Erleuchtung zu führen. So erreichte er vollkommene Buddhaschaft. Durch die vier Körper der Erleuchtung (kayas) übt er spontan unbegrenzte erleuchtete Aktivität aus,wobei sein Geist weit wie der Raum ist.

Buddhaaspekt

 
Durch jeden Buddhaaspekt bzw. Meditationsgottheit wird eine bestimmte Qualität des Buddhazustandes dargestellt und hervorgehoben. Die verschiedenen Gottheiten oder Buddhaaspekte können verschiedene Farben haben, mehrere Gesichter, mehrere Paare Arme und Beine usw. All dies hat bestimmte symbolische Bedeutungen. Auf welche Meditationsgottheit man meditiert, hängt von dem Charakter und der Lebenssituation des Praktizierenden ab.