Belehrungen
von Gendün Rinpotsche
(Auszug aus "Herzensunterweisungen eines
Mahamudra-Meisters" Theseus, 1999)
Das
Hervorbringen der erleuchteten Geisteshaltung
- Die grundlegenden Gedanken für die Dharmapraxis
Wenn
wir einem spirituellen Weg folgen wollen, brauchen wir
Klarheit darüber, warum und mit welcher Motivation
wir ihn gehen, wohin er führen soll und mit welchen
Mitteln wir dorthin gelangen.
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Das Ziel und die Frucht des buddhistischen Weges
ist völlige Befreiung von allem Leid und die
Verwirklichung der letztendlichen Erleuchtung -
das Glück, das durch nichts beeinträchtigt
oder zum Versiegen gebracht werden kann. |
Wir
alle werden früher oder später mit dem Tod
konfrontiert, das ist unausweichlich. Wer jedoch während
seines Lebens die Unterweisungen Buddhas praktiziert,
wird dem Tod ohne Angst und voller Zuversicht entgegensehen
können. Er wird Gewissheit erlangt haben, was zu
tun und was zu lassen ist und mit welcher Geisteshaltung
er sterben sollte, damit der Tod als besondere Gelegenheit
genutzt werden kann, um sich aus dem Zyklus der Wiedergeburten
zu befreien. Der wahre Sinn unserer täglichen Praxis
liegt in dieser Vorbereitung auf den Tod.
Es
ist von entscheidender Bedeutung, den spirituellen Weg
mit der richtigen Motivation zu gehen. Wir sollten nicht
mit dem Wunsch praktizieren, aus der Praxis einen persönlichen
Gewinn ziehen und bessere Bedingungen in diesem Leben
erlangen zu wollen. Eine solche Motivation wäre
dem Dharma entgegengesetzt und würde keinen dauerhaften
Nutzen bringen.
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das Ziel, in den nächsten Leben angenehme Bedingungen
vorzufinden und zum Beispiel als reicher, angesehener
Mensch oder in den Götterbereichen mit ihren
illusorischen Genüssen wiedergeboren zu werden,
ist kurzsichtig, denn unweigerlich finden diese
angenehmen Zustände eines Tages ihr Ende. |
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Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass
wir im Tod alles, was wir in dieser Welt geschätzt
und angesammelt haben, zurücklassen müssen:
unseren Besitz genauso wie unsere geliebten Freunde.
Nichts von dem wird uns dann begleiten können.
Von daher können alle weltlichen Freuden, Fähigkeiten
und Güter uns im besten Fall vorübergehendes
Glück bringen, aber kein langfristiges Ziel darstellen.
Der
Weg des Buddha hat einzig zum Ziel, das unwandelbare
Glück vollkommenen Erwachens zu erreichen und allen
Wesen zu demselben Glück zu verhelfen.
Die
meisten Menschen im Westen leben in großem Wohlstand.
Wir besitzen viele materielle Güter und verfügen
über eine relativ große Handlungsfreiheit.
Dieser Reichtum ist ein Zeichen dafür, dass wir
in der Vergangenheit zahlreiche gute Handlungen ausgeführt
haben. Jedoch war unser Handeln nicht auf die Erleuchtung,
sondern nur auf kurzfristiges Wohlergehen ausgerichtet.
Jetzt sollten wir uns sinnvollerweise dem anderen Aspekt
positiven Handelns zuwenden, der im Entwickeln spiritueller
"Verdienste" besteht, jener Kraft, die zur vollkommenen
Erleuchtung führt. Ohne das Entwickeln dieser spirituellen
Kraft werden wir keinen bleibenden Nutzen von unseren
Anstrengungen haben. In Zeiten des Wohlergehens und
der Freiheit wie jetzt sollten wir die Kraft von Liebe,
Mitgefühl und Weisheit weiterentwickeln, um in
schwierigeren Zeiten Hindernisse auf dem Weg zur Befreiung
überwinden zu können.
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