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" Möchte man wissen, was man in der Vergangenheit getan hat, genügt es, den Körper und die Lebensbedingungen zu betrachten, die man heute hat.

Möchte man sich eine Vorstellung von der Zukunft machen, genügt es zu schauen, was man aus den gegenwärtigen Bedingungen macht.

Buddha Shakyamuni


Programm der Dreijahres-Retreats
Während Gyalwa Karmapa kürzlich alle zehn Retreatzentren in Dhagpo Kündröl Ling, Frankreich, besucht hat, legte er in Rücksprache mit den Drupöns (Retreatbegleitern) das Programm für die zukünftigen Dreijahres-Retreats fest...

  Die Ankunft des 17. Gyalwa Karmapa in Dhagpo Kündröl Ling im Mai 2002
Der 17. Karmapa Trinle Thaye Dordje hält sich seit dem 21. Mai wieder in Frankreich auf....
Kurzbesuch von Künsig Shamar Rinpotsche anlässlich von Gyalwa Karmapas Retreatbeginn
Shamar Rinpotsche kam am Montag, den 27. Mai gegen 15 Uhr 30...

Shamar Rinpotsches Ansprache in Dhagpo Kündröl Ling vom 27. Mai
Khentschen Trinle Peldjor Rinpotsche, der Karmapa die Übertragungen für die Sechs Yogas von Naropa gab
Der 72-jährige Khenpo Trinle Peldjor Rinpotsche oder "Khentschen" (der große Khenpo der Linie), wie Shamar Rinpotsche ihn nennt...





Die Ankunft des 17. Gyalwa Karmapa in Kündröl Ling


Ankunft des Gyalwa Karmapa


Mandalaopfer


Gyalwa Karmapa gibt Segen


Lhasang-Pudja

Der 17. Karmapa traf am Abend des 25. Mai nach einem kurzen Aufenthalt in Paris in Kündröl Ling ein. Er wurde von drei Tulkus begleitet, Nendo Tenam Rinpotsche, Drupsing Rinpotsche und Gyaltrul Rinpotsche. Sie werden zusammen mit Karmapa im Retreat praktizieren und die Übertragung der Sechs Yogas von Naropa erhalten.

Karmapa wurde von der monastischen Sangha sowie der gesamten Gemeinschaft von Kündröl Ling empfangen, zusammen mit Hunderten von Menschen, die von weit her - sogar aus Amerika - gekommen waren, um ihn mit dem traditionellen Mandala Opfer, der symbolischen Darbringung von Körper, Rede und Geist und einer Darbringung von Speise und Trank willkommen zu heißen.

Sonntag der 26. Mai war der "Sangyepa Dutchen", der Gedenktag an die Erleuchtung und das Paranirvana von Buddha Shakyamuni. Morgens führten Karmapa und die drei Rinpotsches als Teil ihrer Retreat-Vorbereitungen eine Reinigungszeremonie und Opferungen (Lhasang-Pudja) aus. Am Nachmittag erhielten sie Übertragungen von Khentchen Rinpotsche.

Am selben Tag weihte die Sangha in einer Zeremonie die Rehe und das Dharmarad, die zuvor auf dem Dach des großen Tempels angebracht wurden. Gyalwa Karmapa wird nach seinem Retreat noch eine abschließende Segnung dieses traditionellen Dharma-Enblems vornehmen.

Die Vorbereitungen für den Retreat-Eintritt dauerten bis Montag, den 27. Mai. Am Ende des Nachmittags, kurz nach Künsig Shamar Rinpotsches Ankunft in Kündröl Ling, gab Khenchen Rinpotsche Gyalwa Karmapa und den drei anderen Rinpotsches die Dordje Phagmo Einweihung. Nach dem Abendessen begannen sie ihr Retreat, während die Sangha draußen die Schließungszeremonien ausführte. Gyalwa Karmapa und die drei anderen Rinpotsches eröffneten die Zurückziehung im Beisein von Khenchen Rinpotsche mit einer Dordje Phagmo Tsok-Puja. Danach begab sich jeder für die erste Praxis-Sitzung in sein Zimmer.



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Kurzbesuch von Künsig Shamar Rinpotsche

Shamar Rinpotsche kam am Montag, den 27. Mai gegen 15 Uhr 30, begleitet von Jigme Rinpotsche, in Kündröl Ling an. Er wollte sich versichern, dass die Vorbereitungen für Karmapas Retreateintritt ohne Hindernisse vonstatten gingen. Die gesamte Gemeinschaft von Kündröl Ling hieß ihn willkommen und erhielt seinen Segen.

Am Abend gab Shamar Rinpotsche eine wichtige öffentliche Erklärung ab, die hier in Kürze wiedergegeben wird.

Am darauffolgenden Tag gegen 10 Uhr reiste Shamarpa weiter.



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Shamar Rinpotsches Ansprache in Dhagpo Kündröl Ling vom 27. Mai

Obwohl ich nur für einen ganz kurzen Besuch gekommen bin, freue ich mich über dieses Zusammensein und Wiedersehen anlässlich dieser außergewöhnlichen Situation, in der Seine Heiligkeit der Karmapa sich auf ein Retreat vorbereitet.

Wir haben hier eine sehr günstige Situation. Ich bin viel in der Welt unterwegs, erlebe jedoch nur selten Situationen, in denen - wie hier - alle Voraussetzungen vorliegen: wo es an einem ausgezeichneten Ort jederzeit hervorragende Unterweisungen gibt und wo große Meister regelmäßig unterrichten können. Zudem leben hier Meister und Lamas ganz natürlich zusammen und lehren sowohl in den Retreatzentren, um den Retreatlern weiterzuhelfen, als auch außerhalb, so dass alle vom Dharma profitieren können.

Dass all diese Bedingungen hier zusammenkommen, ist etwas sehr Seltenes. Es ist eine privilegierte und begünstigte Situation, da einerseits Meister anwesend sind und lehren und andererseits die Praktizierenden diese Anweisungen sehr engagiert in ihre Praxis umsetzen. All dies wurde durch das Zusammentreffen verschiedener Faktoren möglich: zuallererst sind es die Wünsche des 16. Gyalwa Karmapa sowie diejenigen von Gendün Rinpotsche und außerdem die Wünsche und Anstrengungen, die aus dem Karma derer, die hier zum Praktizieren zusammengekommen sind herrühren.

Die Bedingungen für eine sehr stabile Praxis sind vorhanden und hinzukommen sollte nun noch die Möglichkeit, die der Praxis zugrundeliegende Theorie zu studieren. Deshalb habe ich die Khenpos gebeten herzukommen und den Lamas Belehrungen über Texte wie "Die tiefgründige innere Bedeutung" zu geben, einen Text mit detaillierten Erklärungen über die philosophische Sicht, auf der die Praxis aufbaut.

Ich möchte, dass jeder seine Studien vertieft, um die Praxis auf eine Grundlage zu stellen, die zweierlei gewährleistet: die Lebendigkeit des Dharma für die folgenden Generationen - und nicht nur für die Gegenwart oder die nahe Zukunft - zu bewahren und die Qualität der Belehrungen in der Weise sicherzustellen, dass eine verlässliche Quelle zur Verfügung steht, zu der alle Wesen kommen können, an der sie Anleitung erhalten und diese umsetzen können.

Alle Aspekte des Dharma sollten hier präsent und verfügbar sein. Mit den mündlichen und individuellen Unterweisungen ist ein wichtiger Punkt bereits verwirklicht: Lama Gendün Rinpotsche hat hier all die äußerst tiefgründigen Kommentare und Praktiken der Karma Kagyü Tradition übertragen. Sie sind bewahrt worden und werden nun an jene weitergegeben, die sie praktizieren möchten. Diese Kommentare, Erläuterungen, mündlichen Anweisungen und Schlüsselunterweisungen erklären wirklich den tiefen Sinn. Jedoch sollte ebenfalls ein mehr theoretischer, philosophischer Zugang mit einem noch tieferen Verständnis entwickelt werden. Diese Aspekte eines Studiums der theoretischen Grundlagen sollten verfügbar sein, damit alle dauerhaften Nutzen aus der Lehre ziehen können.

Jeder trägt auf die eine oder andere Weise seinen Teil zu dieser Entwicklung bei: durch Studium, Reflexion und Meditation, durch Unterstützung der Bemühungen und Aktivitäten, durch besondere Kenntnisse oder durch finanzielle Hilfe. Hier sind viele Menschen versammelt, die diese Arbeit bereits unterstützen. Sie leben gleich vor Ort, in der näheren Umgebung oder auch ein bisschen weiter weg. Die Arbeit an dieser langfristigen Aufgabe muss heute intensiviert und gefördert werden. Wir sollten verstehen, dass es unermesslichen, unendlich großen Nutzen bringt, wenn wir so vorgehen und den Dharma auf diese Weise verbreiten, sei es durch Studium, Reflexion und Meditation oder durch materielle oder logistische Unterstützung. Man kann wirklich davon ausgehen, dass sich alle dafür unternommenen Anstrengungen ohne jeden Zweifel zum Nutzen der Lebewesen auswirken. Das sieht man auch daran, dass sogar Seine Heiligkeit der Gyalwa Karmapa hierher kommt, um die sechs Yogas von Naropa zu praktizieren und so seinen Teil zu dieser Arbeit und der Initiative zur künftigen Erhaltung und Verbreitung des Dharma beizutragen.

Seit dem letzten Besuch Seiner Heiligkeit des Gyalwa Karmapa, habe ich selbst viele Ermächtigungen und Lungs (rituelle Lesungen) an diesem Platz gegeben. Wir hatten das unbeschreiblich große Privileg, einen authentischen, sehr hoch realisierten, heiligen Meister hier zu empfangen: Chogye Trichen Rinpotsche ist hierher gekommen, hat Wunschgebete gesprochen und zahlreiche Textübertragungen und Ermächtigungen erteilt. Dieser Ort ist durch all die Meister, die ihn geweiht haben, ein in vollkommener Weise gesegneter Platz geworden. Gewissermaßen ist er ein Kraft- und Segensplatz geworden, ein Pilgerort. Ich werde meinerseits das mir Mögliche tun, um häufig und regelmäßig hierher zu kommen und zu lehren.

Nun möchte ich gern erklären, was zur Zeit im Bereich der Karma Kagyü Aktivitäten geschieht.
Wie ihr sicher wisst, durchläuft die Karma Kagyü Linie seit ungefähr neun Jahren eine kritische Phase. Letztes Jahr erhielt ich eine E-Mail von Tseten, einem Tibeter, der mir folgende Frage stellte: "Wenn Sie Ihren Guru gefunden haben, mit ihm zufrieden sind und Ihre Gebete an ihn richten, warum belassen Sie es nicht einfach dabei? Warum lassen Sie nicht alles andere fallen und begnügen sich damit, Ihren Guru zu feiern und zu ihm zu beten? Warum müssen Sie sich mit den Rivalitäten und Konfrontationen in der Politik und mit der Wahl und den Entscheidungen des Dalai Lama befassen?" Dem Stil des Briefes konnte ich entnehmen, dass er von einem jungen Tibeter kommen musste oder von jemandem der neuen Generation, der tibetische Wurzeln hat, aber hauptsächlich in Indien oder einem anderen Land außerhalb Tibets erzogen wurde. Die Kultur dieser Menschen ist gemischt und enthält neben einigen Elementen der tibetischen Kultur einen starken Einfluss jener Länder, die diese außerhalb ihres Vaterlandes geborenen Flüchtlinge aufgenommen haben.

Meine Antwort war: "Sie haben vollkommen recht. Wenn ich an Ihrer Stelle wäre und keine Verantwortung hätte, würde ich genau das tun. Aber in meiner Position, mit meiner Verantwortung für die Karma Kagyü Linie, kann ich das nicht. Für mich geht es nicht einfach nur darum, einen Meister oder Guru zu finden, den ich verehren kann. Für mich geht es darum, meine Aufgabe zu erfüllen und meine Verantwortung innerhalb der Karma Kagyü Tradition wahrzunehmen. In meiner Situation als Linienhalter bin ich verpflichtet, alles mir Mögliche für den Erhalt dieser Linie zu tun. Ich befinde mich in einer Lage, wo die Tradition in gewisser Weise verraten wurde, und es ist meine Pflicht, alles zu tun was ich nur kann, um sie zu schützen."

Durch das Zusammentreffen mehrerer Faktoren ist die Überlieferungslinie in Gefahr geraten: Von außen wird starker politischer Druck ausgeübt, innerhalb (der Linie) findet eine Kollaboration mit dieser äußeren politischen Macht statt, und es gibt auch einen nicht zu unterschätzenden finanziellen Einfluss, der ökonomische Interessen verfolgt. Diese unterschiedlichen Faktoren haben eine Entwicklung herbeigeführt, die die Authentizität der Linie gefährdet. Ich bin verpflichtet, mein Möglichstes zu tun, um diese authentische Tradition der Karma Kagyü Linie intakt zu halten. Deshalb habe ich diesem jungen Tibeter geantwortet, dass ich in der Tat während der letzten neun Jahre enorm damit beschäftigt war, diese Schachzüge zu vereiteln, die auf die Zerstörung der Essenz und der Seele der Karma Kagyü Tradition abzielten.

Nun aber haben wir ein hervorragendes Ergebnis. Die Situation entwickelt sich sehr günstig, seitdem wir zum Beispiel bezüglich der Probleme um die Besitzverhältnisse des indischen Sitzes der Tradition, des Klosters in Rumtek, praktisch davon ausgehen dürfen, uns voll und ganz durchsetzen zu können. Unsere Rechte sind berücksichtigt worden, und so, wie die Dinge sich entwickeln, werden sie vollkommene und uneingeschränkte Anerkennung finden. Um unsere Rechte geltend zu machen und die Legitimität unserer Tradition aufrecht zu erhalten, waren wir genötigt, juristische Schritte zu unternehmen. Es war eine lange gerichtliche Auseinandersetzung, aber nun sind wir bei einem 80-prozentigen Erfolg angelangt und dürfen hoffen, dass er bald vollständig sein wird. Als Ergebnis davon kann die bis jetzt handlungsunfähige Administration nun ihren Aufgaben mit Besonnenheit und in Ruhe nachgehen und die Leitung des Klosters wieder übernehmen.

Ich habe beschlossen, der Lama- und Mönchsgemeinschaft wie auch der dem Kloster Rumtek - dem Sitz Seiner Heiligkeit in Indien - angeschlossenen Laiengemeinschaft diese glückliche Entwicklung der Ereignisse mitzuteilen. Letzten Montag rief ich sie alle zu einem Treffen zusammen, bei dem ich erklärte, dass ich während der vergangenen Jahre für die Anerkennung unserer Rechte gekämpft habe, dass wir nun, am Ende all der administrativen Schritte und gerichtlichen Auseinandersetzungen, in der Situation sind, vollständig Recht zugesprochen zu bekommen und dass meine Arbeit damit abgeschlossen ist. Nun, da die Gefahr abgewendet ist, kann die Administration die Belange des Klosters in Frieden und Freiheit wahrnehmen. Daher habe ich bekannt gegeben, dass ich all meine Verantwortlichkeiten in die Hände des Verwaltungsrates lege, und mich als Lehrer und Dharma-Meister nicht länger an der Leitung und Verwaltung des Klosters beteiligen möchte, es sei denn unter außergewöhnlichen Umständen. Nachdem die Gefahr überwunden und meine Aufgaben als Schützer der Tradition voll und ganz erfüllt sind, können die zuständigen Organe und Personen die Belange des Klosters nun wieder selbst in die Hand nehmen.

Mit Unterstützung vieler Menschen konnte ich außerdem ein großes klösterliches Studienkolleg, eine Schedra, in der Stadt Kalimpong einrichten, auf einem Grundstück, das mir Herr Gyan Jyoti vor einigen Jahren geschenkt hat. Zahlreiche Mitglieder der in Los Angeles lebenden Gemeinschaft taiwanesischer Buddhisten haben mich finanziell unterstützt und sehr großzügig zur Entwicklung der Schedra beigetragen. Dort werden sechzig Studenten und sechzig Kinder der Grundklassen eine vollständige Ausbildung in Studieninhalten unserer Tradition durchlaufen können.

Nachdem auch dort meine Aufgabe als Bewahrer der Tradition erfüllt ist, möchte ich mich nicht weiter an der Verwaltung und dem finanziellen Management von Karmapas Kloster beteiligen. Ich habe diese Funktionen vollständig dem dafür zuständigen Team übergeben, dem mit Karmapas Person verbundenen Verwaltungsrat, der nun in voller Verantwortung die Leitung des Klosters übernommen hat. Finanziell, administrativ und juristisch ist die Situation gesichert. Ich werde dort nicht länger gebraucht, denn meine Aufgabe, die Tradition in einer schwierigen Zeit gegen Verrat und äußeren Druck zu schützen, ist erfüllt. Daher habe ich meine Verantwortlichkeiten und alles, was auf mir lastete, den Teams übergeben, die sich jetzt darum kümmern.

Viele Menschen haben mich in dieser Arbeit unterstützt, gleichzeitig stand ich jedoch diesen sehr mächtigen Personen allein gegenüber und war unter großem Druck - es war eine wirkliche Herausforderung. Ich bin aber die ganze Zeit, auch in Zeiten großen Drucks und enormer Schwierigkeiten, der Essenz des Buddhismus treu geblieben. Ich habe alle Situationen im buddhistischem Geist gehandhabt, um der Außenwelt zu zeigen, dass Buddhisten, wenn ihnen Unglück widerfährt, ihre Schwierigkeiten mit Entschlossenheit, Gelassenheit und ohne Aggression ertragen. Mir kam es darauf an, die Authentizität der Tradition zu bewahren und diese Arbeit, diese Auseinandersetzung, die manchmal viel Kraft und Entschlossenheit brauchte, mit buddhistischer Würde zu bewältigen, um der gesamten Welt zu zeigen, wie Buddhisten handeln, wenn sie mit solchen Problemen konfrontiert sind. Da nun dieses Ergebnis erzielt worden ist und ich diesen Aspekt meiner Verantwortung als Linienhalter nicht länger wahrnehmen muss, da die Dinge nun sicher und befriedet sind und die Administration sich frei betätigen kann, bin ich in der Lage, meinen persönlichen Aufgaben wieder nachzugehen.

Als Shamarpa habe ich auch bestimmte Dinge zu tun, Dinge, die in den Jahren, als es darauf ankam, aktiv die Essenz der Tradition zu bewahren, in gewissem Maß zurückstehen mussten. Ich hatte damit gerechnet, mich dieser Aufgabe einige Jahre widmen zu müssen, aber tatsächlich hat es 20 Jahre gedauert, die Zukunft der Kagyü Linie wirksam zu sichern. Jetzt ist es geschafft. Ich habe alle Verantwortlichkeiten, wie die Leitung der verschiedenen Orte und Zentren dem Karmapa übergeben, und nun ist es seine Sache, seine Aktivität auf dieser gesunden und stabilen Grundlage zu entwickeln. Und das wird er in den nächsten Jahren tun. Ich kann mich jetzt wieder meiner eigenen Aktivität widmen, meiner Arbeit als Shamarpa, da ich nun frei bin von der Pflicht, die Tradition zu schützen.

In der Geschichte waren die Shamarpas immer auf beiden Seiten des Himalaya sehr aktiv, d.h. in Tibet selbst und auch bei den Nepalesen, insbesondere bei der Volksgruppe der Newari Tradition, mit der sie eine Dharma-Verbindung haben. Mehrere Tausend dieser Menschen folgen von einer Lebenszeit zur nächsten den Lehren der Meister und haben dies seit der Zeit des zehnten Shamarpa getan. Die Newari aus dem Katmandu Tal haben zwanzig Jahre lang darauf gewartet, dass ich ihnen Zeit widme, um diese historische Verbindung wieder aufzunehmen und die an die Arbeit anzuknüpfen, die meine Vorgänger begründet, eingerichtet und entwickelt haben. Nun, da meine Verpflichtungen erfüllt sind, werde ich ein wenig mehr Zeit für die Arbeit an einigen größeren Dharmaprojekten der Newari Gemeinschaft haben, aber natürlich auch zur Fortführung und Vertiefung meiner Verbindung mit all meinen Schülern in der Welt - in Europa, den Vereinigten Staaten und anderswo. Denn es ist alles dieselbe Tradition und ungeachtet der geographischen Lage werde ich in Zukunft mehr Zeit für die Vertiefung der Beziehung zu meinen Schülern aufbringen können.

Die Gegend von Katmandu sowie Nepal im Allgemeinen ist ein natürlicher Sammelpunkt für Menschen aus aller Welt. Man kann sie ziemlich leicht von Europa und Asien aus erreichen und befindet sich an einer Art zentralem Ort, wo der Dharma in einer verkehrsmäßig leicht zugänglichen Region praktiziert werden kann. So ist es wichtig, Strukturen zu entwickeln, damit die Karma Kagyü Tradition speziell in diesem Land aufblühen kann und die Belehrungen dort verfügbar sind. Sicherlich hat es in den letzten Monaten tragische Vorfälle gegeben, eine Art versteckten Bürgerkrieg, aber die Dinge beruhigen sich und die nächsten Jahre werden sicher friedlicher sein, so dass es leichter fallen wird, dort solche Dharmaprojekte zu entwickeln.

Wie auch immer, soweit es mich betrifft, beeinträchtigt dies in keiner Weise mein hiesiges Engagement, weder in Kündröl Ling noch in Frankreich im Allgemeinen. Ich werde auch weiterhin regelmäßig kommen und meine Verantwortung als Lehrer und Quelle der Inspiration wahrnehmen.

In dieser Weise habe ich also die klösterliche Administration, die Karmapas Aktivität stützt, neu strukturiert. Dies geschah auf der Grundlage der traditionellen Struktur, wie sie früher in Tibet am Sitz von Karmapas Aktivität bestand. Der 16. Karmapa hatte einige kleinere Veränderungen vorgenommen, um sie an Indiens rechtliche und administrative Anforderungen anzupassen. Wir konnten zu etwas mehr Traditionellem und Authentischen zurückkehren, mit Karmapa selbst als höchster Instanz in der Administration. Ich habe dafür gesorgt, dass dies ermöglicht wurde, habe die Struktur neu gestaltet, sie verankert, gestärkt, vor den Angriffen geschützt, die sie bedrohten und gebe sie nun Karmapa zurück - ich übergebe sie in die Hände all derer, die jetzt die entsprechenden Aufgaben wahrnehmen werden.

Nachdem die angemessene Tradition in Karmapas Administration wiederhergestellt war, habe ich außerdem einen eigenen Beitrag geleistet - den Aufbau und die Organisation eines klösterlichen Studienkollegs. Da auch dies nun abgeschlossen ist, kann ich mich wieder meinen persönlichen Aktivitäten widmen. Ich werde euch noch ein Blatt zuschicken, das den Aufbau der von Karmapa selbst geleiteten Klosteradministration zeigt, so dass ihr eine Vorstellung davon bekommt.

Nach dem europäischen Kalender ist Karmapa jetzt 19 Jahre alt und nach der tibetischen Astrologie ist er 20. Man könnte sagen, dass es noch ein oder zwei Jahre dauert, bis er volljährig ist. Aber manche 20-jährige leiten schon Banken, und Karmapas spirituelles Niveau ist so hoch, dass ihm die Handhabung all dieser Dinge keine Schwierigkeiten bereiten wird. Ich habe mir erlaubt, Karmapa in Gegenwart der Verwaltungsrats-Mitglieder vorzuschlagen, dass er vielleicht in den nächsten Jahren sein Leben zwischen Retreats und Lehrtätigkeit aufteilen sollte, denn er ist noch jung: Er könnte ab und zu Retreat machen und ab und zu lehren.... und so will er es auch machen!

Soviel für den Moment! Ich habe zu euch gesprochen, weil ich gerade auf der Durchreise bin. Ich bitte euch, diese Informationen an eure Freunde weiterzugeben und ihnen all das zu erklären, was ich heute Abend gesagt habe, damit jeder über die neue Situation Bescheid weiß.

Vielen Dank!



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Khentschen Trinle Peldjor Rinpotsche

Der 72-jährige Khenpo Trinle Peldjor Rinpotsche oder "Khentschen" (der große Khenpo der Linie), wie Shamar Rinpotsche ihn nennt, lebt in Nepal, in der Nähe von Bodanath im Katmandu Tal.

Er erhielt Unterweisungen vom 16. Gyalwa Karmapa, vom vorigen Situ Rinpotsche Pema Wangtschuk und von Dilgo Khyentse Rinpotsche, die er alle als seine Lehrer betrachtet.

Schon sehr jung trat Rinpotsche in das Kloster von Bakyod in Nangtschen ein, der Provinz von Kham, in der er auch geboren wurde. Sein Kloster lag lediglich drei Tagesreisen per Pferd von Gendün Rinpotsches Kloster entfernt. Die beiden lernten sich in Rumtek kennen, und in den Monaten vor Gendün Rinpotsches Abreise nach Europa trafen sie sich häufig.

Mit 18 ging Khentschen Rinpotsche in das traditionelle Dreijahresretreat, schloss ein zweites ohne Unterbrechung daran an und wurde schließlich Drubpön (Retreatleiter). Es blieb ihm jedoch vor der chinesischen Invasion in Tibet kaum noch Zeit, diese Aufgabe auszuführen.

Anderthalb Jahre nachdem Galwa Karmapa das Land verlassen hatte, ging auch er aus Tibet weg, um Karmapa in Rumtek, Sikkim, zu treffen. Seine Heiligkeit sandte ihn dann nach Bhutan, um sich dort um einen Tempel zu kümmern, bevor er ihn zu Gyaltrul Rinpotsches Tutor ernannte, welcher seine Ausbildung in Rumtek erhielt.

1990 ging Rinpotsche zusammen mit seinem Schüler ins Dagten Nyindje Ling Kloster in Nepal, wo er seitdem lebt, und das nicht weit von Milarepas und Nagarjunas Höhlen entfernt liegt.

Während der letzten sieben Jahre unterrichtete der Khentschen regelmäßig in Gyaltrul Rinpotsches Zentren in Asien. Kürzlich bat Shamar Rinpotsche ihn, die Zentren in den USA zu besuchen. Dort verbrachte der Khentschen den Monat vor seiner Ankunft in Frankreich.

 

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